Indonesien: Sampai jumpa Indonesia!
Doch es war mehr als nur schön. Es war super, aufregend, mit Problemen bestückt, die es zu überwinden galt... Es ist einfach zu viel, was ich in meinem Jahr erlebt habe. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu erzählen, wie ich meine Erlebnisse in Worte fassen soll. Es ist immer schwer, jemandem zu erzählen, wie das Leben in Indonesien aussieht, da dieses wirklich sehr unterschiedlich - und für mich mittlerweile viel besser, als das Leben in Deutschland - ist.
Unglaubliche Gastfreundlichkeit der Indonesier
Früher habe ich immer nicht geglaubt, wenn mir ehemalige Austauschschüler erzählt haben, dass sie in ihrem Gastland ein zweites Zuhause gefunden haben. Doch nun habe ich auch eins, und zwar Indonesien! Es ist wirklich ein großes Land mit vielen Kulturen, doch in manchen Dingen ist es gar nicht so verschieden. Was mir am Anfang sehr aufgefallen ist, ist die unglaubliche Gastfreundlichkeit der Indonesier. Sie sind solch nette, liebe Leute! Und vor allem zeigen sie sehr viel Interesse an westlichen, weißen Menschen (auch als ‚Bule’ bezeichnet), die dazu noch sehr groß sind!
Ungewohnte Aufmerksamkeit
Mit dieser ungewohnten Aufmerksamkeit bin ich am Anfang nicht zurechtgekommen, doch nach einer gewissen Zeit habe ich gemerkt, dass die Menschen nur an mir interessiert waren und gerne über mein Land etwas mehr erfahren wollten. Und das konnte ich auch ohne Probleme erzählen, da die Indonesier nicht wie wir Europäer manchmal dazu neigen, Menschen aus einem anderen Land mit anderen Gewohnheiten und Bräuchen zu verurteilen. Die Leute, die ich kennen gelernt hab, waren froh darüber, dass ich mein Wissen mit ihnen teilte.
bahasa Indonesia
Man könnte meinen, der Alltag in Indonesien habe mich gelangweilt: Um 6 Uhr aufstehen, zur Schule fahren, das Morgengebet abwarten, neun Schulstunden, die Hitze in der Schule, nachmittags um 16 Uhr todmüde und verschwitzt nach Hause kommen. Doch meine Freunde in meiner Schule haben mir diesen Alltag jeden Tag versüßt, indem sie mich unterstützt haben und versucht haben, mir die Landessprache bahasa Indonesia beizubringen. In Indonesien merkt man wirklich nichts von der angeblichen asiatischen Schüchternheit. Die Menschen dort sind sehr offen, lustig und auch ein bisschen verrückt. Auch wenn der Unterschied zwischen arm und reich sehr groß ist, wird jeder gleich behandelt und es gibt keine Vorurteile untereinander. Daher finde ich die Schuluniformpflicht in Indonesien auch sehr praktisch.
Meine Gastfamilie und die Religion
Mein Gastfamilie hatte sechs Kinder. Ganz anders als meine Familie in Deutschland, wo ich nur einen Bruder habe! Drei von den Kindern haben noch zu Hause gewohnt. Meine beiden Gastschwestern, die Zwillinge waren, haben jedoch schon gearbeitet. Nur mein kleiner Gastbruder ging noch zur Schule, er war aber grad mal acht Jahre alt. Also kein Geschwisterteil in meinem Alter. Am Anfang dachte ich, dass es langweilig wird, doch meine Gastschwestern waren beide so lustig und nett. Sie haben mich unter anderem oft eingeladen, durch Indonesien zu reisen und andere Städte zu besichtigen. So war ich unter anderem in Bali, Bandung, Surabaya und Banjarmassin, wo ich mir einen von nur zwei Wassermärkten in der Welt angeschaut habe.
Viel über den Islam gelernt
Meine Gastfamilie waren Muslime. Dadurch hab ich auch sehr viel über den Islam gelernt, die Hauptreligion in Indonesien. Früher war ich doch immer sehr erstaunt über den Islam, da mir dieser sehr streng vorkam, mit vielen Regeln, die es einzuhalten gab: beispielsweise fasten im Monat Ramadhan und fünfmal am Tag beten. Doch dies stellte sich als sehr interessant heraus. Im Monat Ramadhan habe ich mit gefastet und fand es gar nicht so schwer. Früh vor Sonnenaufgang steht die ganze Familie auf und isst zusammen Frühstück, was für den ganzen Tag reichen muss. Bis Sonnenuntergang um 18 Uhr isst oder trinkt man nichts mehr. Ausgeschlossen sind dabei Kinder oder kranke Menschen. Auch wenn man zwischendurch schon mal ein wenig hungrig ist, lässt es sich aushalten, da man von Menschen umgeben ist, die genauso fasten.
Nun fragen sich manche vielleicht, wie es mit der Verständigung aussah. Am Anfang hab ich mich doch ein bisschen ausgeschlossen gefühlt, da ich so gut wie nichts verstanden habe. Doch alle haben sich Mühe gegeben mir ihre Sprache beizubringen und mich in ihre Klassengemeinschaft zu integrieren. Nach und nach habe ich immer mehr Wörter verstanden, bis es mir dann leichter fiel, mehr Indonesisch als Englisch mit ihnen zu sprechen.
Auf zur High School!
Ich ging in Palembang auf die High School. Dort ging ich in die 11. Klasse. In Indonesien unterscheidet man zwischen Science Class und Social Class. Ich hab mich für Social Class entschieden, da ich es doch zu schwer fand Biologie und Physik auf Indonesisch zu lernen. Ich hatte Fächer wie Mathe, Ökonomie, Sozialkunde, Indonesisch, Geschichte, Englisch, Sport, Religion und Geografie. Der Religionsunterricht ist in jeder Schule Pflicht, doch wird nur der Islam unterrichtet. Also habe ich mich meist außerhalb der Klasse mit meinen Freunden aufgehalten, die Buddhisten oder Hindus waren. Außerdem gibt es jeden Montagmorgen in allen Schulen in Indonesien eine Flaggenzeremonie. Alle Klassen stellen sich ordentlich auf und singen die Nationalhymne, hören Bekanntgaben von den Lehrern oder der Schulleiterin zu und gehen danach in ihre Klasse. Durch die Hitze wurde die Zeremonie leider etwas langweilig und anstrengend, aber ich habe mich auch daran gewöhnt.
So viel zu entdecken, lernen, begreifen
Es ist nicht zu fassen, wie schnell ein Jahr vergehen kann. Wenn ich da an meine Schuljahre hier denke, kommt mir die Zeit in Indonesien wie ein Monat vor. Es gibt einfach so viel zu entdecken, zu lernen, zu begreifen - und all dies habe ich getan - doch leider war die Zeit zu kurz. Bis heute kann ich mir ein Leben ohne Indonesien nicht vorstellen – ich komme auf jeden Fall zu meiner zweiten Heimat zurück! Ich schätze die Erfahrung, die ich machen kann, wirklich sehr und möchte besonders meinen Eltern, AFS und der Stiftung Mercator danken, die mir dieses Jahr ermöglicht haben und somit ein Teil von mir selbst mit beeinflusst haben. Vielen Dank! Bis wir uns wiedersehen, Indonesien! Sampai jumpa Indonesia!
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